Ich bin 50 Jahre alt und nach einem Unfall "vorübergehend" nicht arbeitsfähig, daher beziehe ich Bürgergeld.
Ich bin übergewichtig und hatte auf Anraten meines Arztes bereits 2020 einen Antrag auf Mehrbedarf / Ernährung gestellt. Wurde prompt abgelehnt mit den Worten "dafür gibt es kein Geld, weniger essen kostet ja nicht mehr".
Letztes Jahr wurde bei mir ein Tumor gefunden. Dieser hatte eine abnorme Größe erreicht, war aber komplett gutartig. Vor der Operation wog ich 108 kg, nach der OP nur noch 95 kg. Um einen, von Diäten bekannten, Jojo-Effekt zu vermeiden wurde mir eindringlich geraten, auf eine gesunde, vollwertige Kost zu achten.
Ich lebe alleine, kann aufgrund meiner Gehbehinderung nur selten kochen und habe große Probleme eine gesunde Ernährung mit nur 200 € im Monat zu bestreiten.
Ich stellte also, mit meinem Hausarzt, einen neuen Antrag auf Mehrbedarf. Das war im August letzten Jahres. Im September kam ein Brief bezüglich meines Antrages: ich solle einen ärztlichen Attest beibringen. Mein Arzt schickte also alles erneut.
Um es abzukürzen: nach drei Briefen rief ich die Sachbearbeiterin an und fragte, woran es wohl läge, das weder Post, E-Mail oder Fax dort ankommen. Die SB sagte mir, sie hätte ja mehrere Formulare bekommen, hätte diese aber nicht verwenden können, da das Formulare von der Krankenkasse waren. Ein Formular vom Jobcenter gäbe es nicht. Mein Arzt solle halt ein allgemeines Attest erstellen, das würde dann vom Gesundheitsamt bewertet.
Es gibt ein Formular für den Antrag auf Mehrbedarf auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit. Wusste die SB wohl nicht.
Ende Juli ist es endlich gelungen das korrekte, ausgefüllte Formular zu schicken.
Das das alles so lange gedauert hat ist vielleicht schwer zu verstehen. Ich kann nicht laufen, bin nicht in der Lage mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren und muss immer jemanden organisieren, der mich mit einem Auto abholt, rumfährt und zurück bringt. Jeder Arzttermin, Physiotermin oder auch nur der Lebensmitteleinkauf ist schmerzhaft, unendlich anstrengend und vom Laufen am Rollator sind abends meine Hände taub. Was passiert, wenn diese (freiwillige) Hilfe wegfällt, will ich mir gar nicht ausmalen.
Mein Problem ist halt, dass genau das eingetroffen ist, wovor ich so eindringlich gewarnt wurde: ich habe es geschafft in weniger als einem Jahr 15 kg zuzunehmen. Jetzt ist leider mein BMI zu hoch, ich finde keinen Arzt, der meine Hüfte operieren will. Das Risiko sei zu groß.
Da sportliche Betätigung nur sehr eingeschränkt möglich ist, solle ich einfach meine Ernährung anpassen - nicht weniger essen, ich komme selten auf 2000 kcal am Tag, sondern besser, gesünder, nachhaltiger.
Nun hatte ich endlich (15 Monate nach dem ersten Antrag) einen Termin zur Begutachtung. Meine Größe wurde gemessen, ich wurde gewogen und der BMI ermittelt. Der Amtsarzt sagte sogar, dass es ihm leid täte, aber in einem solchen Fall, halt nur wegen Übergewicht, könne kein Mehrbedarf gewährt werden.
Als ich nach dem Ermessensspielraum fragte, hieß es, das sei ja alles gesetzlich geregelt und er dürfe nicht anders entscheiden.
Was kann ich tun?
Liebe Grüße, Elaine